PM: Asyl & Bildung

 

GRÜNE: Kindern und Jugendlichen, die länger als drei Monate in einer sächsischen Erstaufnahmeeinrichtung leben, werden Bildungschancen vorenthalten.

Zais: Laut EU-Aufnahmerichtlinie müssen minderjährige geflüchtete Kinder und Jugendliche spätestens drei Monate nach Asylantragstellung Zugang zum Bildungssystem haben.

Auf Einladung des Sächsischen Flüchtlingsrates diskutierten gestern (30.5.) im Stadtmuseum Dresden Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Bildung, Beratungspraxis und Sozialarbeit über die Problematik, über die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen, die im Freistaat Sachsen in Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes leben.

„Es kann und darf nicht sein, dass Kindern und Jugendlichen, die länger als drei Monate in einer sächsischen Erstaufnahmeeinrichtung leben, Bildungschancen vorenthalten werden – wie es aktuell die Praxis im Freistaat ist“, kritisiert Petra Zais, asylpolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag, die an der Beratung teilnahm.

„Die EU-Aufnahmerichtlinie verlangt in Artikel 14 für minderjährige geflüchtete Kinder und Jugendliche den gleichen Zugang zum Bildungssystem wie für einheimische Staatsangehörige. Dieser muss spätestens drei Monate nach Asylantragstellung gewährleistet werden. Dieser Artikel gilt auch im Freistaat Sachsen ohne Einschränkungen“, erinnert die Abgeordnete.

„Ein gangbarer Weg wäre, an den drei Standorten sächsischer Erstaufnahmeeinrichtungen jeweils ein Schulangebot mit ausgebildeten Lehrkräften, die nach dem Deutsch-als-Zweitsprache-Curriculum unterrichten, vorzuhalten“, schlägt Zais vor. „Darüber hinaus können nach Artikel 14 Absatz 3 der EU-Aufnahmerichtlinie auch ‚andere Unterrichtsformen‘ angeboten werden. Wichtig ist in jedem Fall qualifiziertes Personal mit Erfahrung im jahrgangsübergreifenden Unterricht.“

„Aus meiner Sicht hat das Recht der Kinder und Jugendlichen auf Bildung Vorrang vor asylrechtlichen Verfahrensfragen. Deshalb teile ich die Anliegen der bundesweiten Kampagne ‚Schule für Alle‘ der Landesflüchtlingsräte, des Bundesfachverbandes unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge und Jugendliche ohne Grenzen − unterstützt von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sowie der Bundesarbeitsgemeinschaft PRO ASYL − voll und ganz.“

Hintergrund:
Zum Stichtag 31. Dezember 2016 lebten 256 minderjährige Kinder und Jugendliche in sächsischen Erstaufnahmeeinrichtungen, die zu dem Zeitpunkt nicht beschult wurden.

>> Forderungen der Kampagne ‚Schule für Alle‘

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