PM: Schuljahresbeginn 2017/2018

 

GRÜNE: Sachsens Schulen laufen Gefahr, im >>Tal der Tränen<< unterzugehen!

Zais: Die Qualität der schulischen Bildung kann nicht mehr gesichert werden.

Zum Stand der Schuljahresvorbereitung 2017/18 in Sachsen und zur heutigen Pressekonferenz von Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) erklärt Petra Zais, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag:

„Vor zwei Jahren sprach die sächsische Kultusministerin Kurth noch von einem vorübergehenden Zustand und einem >>Tal der Tränen<<, das durchschritten werden muss. Nun wird immer deutlicher, dass auch auf Jahre hinaus, keine Verbesserung der prekären Lage an den Schulen im Freistaat zu erwarten ist und der vorübergehende Zustand ein dauerhafter wird.“

„Die in der heutigen Pressekonferenz von Kultusministerin Kurth genannten Fakten und Zahlen machen deutlich, dass Sachsens Schulen Gefahr laufen, im >>Tal der Tränen<< unterzugehen. Der Anspruch und das Streben nach guter Qualität in der schulischen Bildung droht im Strudel des Lehrermangels endgültig zu versinken. Vor allem auch, weil die Zahl der Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger immer neue Höchststände erreicht und nun schon bei über 50 Prozent aller neu eingestellten Lehrerinnen und Lehrer liegt. Auch deutschlandweit ist dies eine ‚rekordverdächtige‘ Quote. Praktisch bedeutet dieser Durchschnittswert, dass es Regionen und Schulen gibt, die deutlich mehr als 50 Prozent Seiteneinsteiger haben. In der Regionalstelle Bautzen beträgt dieser Wert an den Grundschulen 72 Prozent und an den Oberschulen sogar 77 Prozent.“

„Vielen Seiteneinsteigern fehlen schlicht noch die erforderlichen Qualifikationen, um sich der anspruchsvollen Aufgabe eines Lehrers oder einer Lehrerin wirklich stellen zu können. Pädagogische, didaktische, psychologische oder auch Fachkenntnisse müssen vielfach noch erworben werden. Das braucht Zeit. Die dreimonatige Einstiegsqualifizierung kann hier nur ein erster Schritt sein. Bis zur voll ausgebildeten Pädagogin bzw. zum Pädagogen ist es ein langer Weg, den letztendlich auch nicht jeder Seiteneinsteiger erfolgreich abschließt.“

„Die Kultusministerin konnte zur Attraktivitätssteigerung des Lehrerberufs bisher keine wirklich wirksamen Maßnahmen benennen. Es fehlen die Konzepte, wie mit den vielfältigen Herausforderungen umgegangen werden sollte. Schon in der Ausbildung an den Hochschulen muss es Veränderungen geben, damit sich junge Menschen auch für ein Studium in bisher weniger gefragten Fächern oder Schularten entscheiden. Der GRÜNE Entwurf für ein Lehrerbildungsgesetz ist ein erster Schritt in diese Richtung. Der Gesetzesentwurf enthält zahlreiche Neuerungen. So soll nicht mehr nach Schularten, sondern nach Schulstufen ausgebildet werden. Auch soll die Ausbildungslänge für alle Lehrämter gleich werden, was dann auch die Begründung für die unterschiedliche Entlohnung hinfällig machen würde und zu einer Angleichung der Bezüge führen sollte.“

„Die Prognose der Entwicklung der Schülerzahlen in Sachsen muss ebenfalls auf den Prüfstand. Nach einer Studie der Bertelsmann Stiftung zur Entwicklung der Schülerzahlen in Deutschland (Juli 2017), liegt die Zahl der Schüler 2025 deutlich über den bisherigen Annahmen. Die aktuelle Einstellungspolitik in Sachsen darf nicht die Fehler der vergangenen Jahre wiederholen, mit Einstellungszahlen weit unter dem tatsächlichen Bedarf zu arbeiten. Die Lehramtsausbildung muss insgesamt gestärkt und mit Blick auf die hohe Quote der Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger vor allem auch an der TU Chemnitz erweitert und langfristig gesichert werden. Die Erfahrung zeigt, dass nach einem erfolgreich abgeschlossenem Studium Lehrerinnen und Lehrer oftmals in der Region ihres Hochschulstandorts bleiben.“

„Die Gewerkschaften haben sich bereit erklärt, gemeinsam mit dem Kultusministerium an Lösungsvorschlägen zu arbeiten. Es ist mehr als dringlich, dass das Kultusministerium dieses Angebot ernsthaft aufgreift. Wir erwarten, dass Ministerpräsident Stanislaw Tillich seiner Kultusministerin dabei den Rücken stärkt und den ‚Pakt für Bildung‘ endlich als gemeinschaftliche Aufgabe des gesamten Kabinetts begreift. Wenn die sächsische CDU angesichts der dramatischen Situation bei der Absicherung des Lehrerbedarfs noch immer glaubt, am ‚längeren Hebel‘ zu sitzen und deshalb aller Naselang nur Stückwerk liefert, hat sie die Zeichen der Zeit nicht verstanden.“

>> Grüner Gesetzentwurf zur Reform der Lehrerausbildung im Freistaat Sachsen

>> Studie der Bertelsmann Stiftung „Demographische Rendite adé“ (Juli 2017, pdf-Datei)

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