PM: Hilfeschrei aus der Grundschule Siegmar in Chemnitz ein Einzelfall?

 

Schule/Unterrichtssituation/Hilfeschrei aus der Grundschule Siegmar in Chemnitz ein Einzelfall? –

GRÜNE: Mitnichten! Situation steht exemplarisch für die prekäre Unterrichtssituation an sächsischen Grundschulen und speziell im Raum Chemnitz.

Zais: Der Unterricht muss insbesondere in der 4. Klasse abgesichert werden, auch wenn dafür weitere Abordnungen nötig sind!

Eltern von Schülerinnen und Schülern der Grundschule Siegmar in Chemnitz haben sich mit einem eindringlichen Hilfeschrei an Petra Zais, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag, gewandt. In zwei Informationsschreiben hatte der Schulleiter die Eltern über die dramatische Unterrichtssituation in Kenntnis gesetzt.

Seit Schuljahresbeginn fehlt die Klassenlehrerin einer 4. Klasse. Auch die ersatzweise eingestellte Seiteneinsteigerin fällt nun krankheitsbedingt aus. Unterm Strich haben die Kinder seit Anfang des Jahres kaum Unterricht in Deutsch, Englisch oder Mathe gehabt. Dem Schulleiter bleibt nicht mehr, als den Mangel zu verwalten. Er stellt in der Elterninformation trocken fest: >>Meine vorgesetzte Stelle ist informiert, Personalersatz ist nicht vorhanden.<<

„Die Grundschule Siegmar ist bei Weitem kein Einzelfall. Sie steht exemplarisch für die prekäre Situation insbesondere an den Grundschulen in Sachsen und hier speziell die im Raum Chemnitz“, erklärt Petra Zais. „Nirgends sonst ist die Absicherung selbst des Grundbereichs an den Grundschulen so schlecht wie in der Chemnitzer Regionalstelle des Landesamtes für Schule und Bildung (LaSuB)*. Daran ändert offenkundig auch die überdurchschnittlich hohe Zahl von Abordnungen nichts**.“

„Statistik ist das eine. Das andere ist die Realität in den Klassenzimmern. Man muss sich klar machen, was auf dem Spiel steht: Konkret geht es für die Schülerinnen und Schüler der 4. Klassen um den anstehenden Wechsel an die weiterführenden Schulen. Trotz Entschärfung der Bildungsempfehlung bleibt dies in unserem gegliederten Schulsystem eine Zäsur mit entscheidender Weichenstellung für den weiteren Bildungsweg der Kinder. Natürlich haben deren Eltern Sorge, dass der fehlende Unterrichtsstoff nicht nachgeholt werden kann und den Kindern wichtiges Rüstzeug fehlt, um die steigenden schulischen Anforderungen zu bewältigen. In der jetzigen Dimension steht jedoch mehr auf dem Spiel: nämlich die Zukunftschancen einer ganzen Schülergeneration.“

„Kultusminister Christian Piwarz hat die Grundschulen stärker in den Fokus zu rücken. Der Unterricht muss insbesondere in der 4. Klasse abgesichert werden, auch wenn dafür weitere Abordnungen nötig sind“, fordert die Landtagsabgeordnete.

„Des Weiteren müssen dem erklärten politischen Willen Taten folgen: Die Grundschullehrerausbildung in Chemnitz ist dauerhaft zu verstetigen und auszubauen.“

„Schließlich wünsche ich mir mehr Ehrlichkeit bei der Erfassung von Unterrichtsausfall. Statistische Spielereien interessieren mich dabei nicht. Ich will wissen, wie es wirklich in den Klassenzimmern aussieht“, bekräftigt Zais.

Hinweis für Journalist/innen:
Auf Anfrage gibt Petra Zais weitere Auszüge aus den Elterninformationen weiter. Es besteht zudem die Möglichkeit, über Frau Zais mit einem betroffenen Elternteil der Schule in Kontakt zu treten.

Hintergrund:
*Absicherung des Grundbereichs (Stunden, die sich aus den geltenden Stundentafeln, der Klassen- und Gruppenbildung sowie den Stunden für Integration ergeben) an Grundschulen, ausweislich der Stellungnahme des Sächsischen Kultsministeriums zum Antag der Fraktion DIE LINKE (Drs 6/10801)

  • Sachsen insgesamt: 98,1 %
  • Regionalstelle Chemnitz: 97,1 %

**Voll- bzw. Teilabordnungen an Grundschulen:

  • Regionalstelle Chemnitz: 18 bzw. 833
  • Regionalstelle Bautzen: 23 bzw. 576
  • Regionalstelle Dresden: 43 bzw. 664
  • Regionalstelle Leipzig: 55 bzw. 676
  • Regionalstelle Zwickau: 19 bzw. 317

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