Klassenfahrt zu KZ-Gedenkstätten

 

Zais: Ziel muss sein, dass Schülerinnen und Schüler wissen, was Auschwitz-Birkenau war. Zwangsbesuche aber nicht sinnvoll.

Rede der Abgeordneten Petra Zais zum Antrag der Fraktion DIE LINKE zum Thema: „Förderung von Klassenfahrten zu KZ-Gedenkstätten“ – 67. Sitzung des Sächsischen Landtags, 1. Februar, TOP 6

– Es gilt das gesprochene Wort –

Herr Präsident, meine Damen und Herren,

was war Auschwitz-Birkenau? Im Sommer 2017 gab die Hamburger Körber-Stiftung eine repräsentative Umfrage in Auftrag, die unter anderem diese Frage stellte. Das Ergebnis: 59 Prozent der deutschen Schülerinnen und Schüler wissen nicht, was Auschwitz-Birkenau war. Von den 14- bis 16-Jährigen weiß nicht einmal die Hälfte etwas mit diesem Namen anzufangen. Solche Befunde sind es, genauso wie das Verbrennen israelischer Fahnen im Dezember des letzten Jahres, die Debatten über das Thema Antisemitismus und Gedenkkultur aufkommen lassen. Spätestens seitdem wird auch wieder intensiv über KZ-Gedenkstätten und ihre Bedeutung für die historisch-politische Bildung gesprochen. Und das, meine Damen und Herren, ist gut so.

Wir unterstützen den Antrag der Linksfraktion, der uns heute vorliegt. Schülerinnen und Schülern der Klassenstufen 9 und 10 soll es ermöglicht werden, Klassenfahrten zu KZ-Gedenkstätten durchzuführen. Die Schulverwaltung soll beraten und das Antragsverfahren abwickeln, die Landeszentrale für politische Bildung soll die pädagogisch-didaktische Begleitung übernehmen. Alles richtig. Dazu noch einige Gedanken:

Ich begrüße es, dass im Antragstext ausdrücklich von „ermöglichen“ die Rede ist und nicht von Pflicht oder gar Zwang.

So setzt auch die Mehrzahl der Kultusministerinnen und -minister in den Ländern zu Recht auf Freiwilligkeit. Oder, wie es Dr. Philipp Neumann-Thein, Sprecher der Gedenkstätte Buchenwald, treffend auf den Punkt brachte, „Buchenwald hat schon zu DDR-Zeiten nicht funktioniert als Antifaschismus-Durchlauferhitzer, ein Zwangsbesuch wäre auch heute keine wirksame Antisemitismus-Schutzimpfung“.

Ich begrüße außerdem, dass der Antrag explizit auf die notwendige Gewährung von Fahrtkostenzuschüssen verweist. Denn natürlich sind solche Fahrten bereits jetzt grundsätzlich möglich, wie die Staatsregierung auch in ihrer Stellungnahme betont. Gedenkstättenbesuche sind, anders als in anderen Bundesländern, sogar in den Lehrplänen verankert, außerdem finanziert das Kultusministerium zusammen mit dem Maximilian-Kolbe-Werk ein Zeitzeugenprojekt – auch das ist gut und richtig und bundesweit keinesfalls die Regel.

Umso weniger verstehe ich, dass der Forderung meiner Fraktion in den Verhandlungen zum aktuellen Doppelhaushalt kein Gehör geschenkt wurde. Wir haben die Kooperation mit der Bete-Stiftung angeregt, die, bei entsprechender Beteiligung des Landes, rund zwei Drittel der anfallenden Kosten einer Gedenkstättenfahrt nach Polen tragen würde. Dafür wollten wir 60.000 Euro im Jahr „reservieren“ − es ist selten möglich, mit solch überschaubaren Summen so viel zu erreichen. Und trotzdem haben CDU und SPD unserem Änderungsantrag nicht zugestimmt. Das ist schade, denn die von Ihnen genannten Finanzierungsquellen sind für die Schulen nicht immer so ergiebig, wie sie es in ihrer Stellungnahme darstellen. Und das Einwerben von Drittmitteln sollte wohl kaum zu den Aufgaben von Lehrerinnen und Lehrern gehören, die KZ-Gedenkstättenfahrten begleiten wollen.

Zum dritten Punkt: Dass die Linksfraktion bei der pädagogisch-didaktischen Begleitung von KZ-Gedenkstättenfahrten einzig auf die Landeszentrale für politische Bildung setzt, irritiert mich etwas. Ich weiß die Arbeit der Landeszentrale auf diesem Gebiet sehr zu schätzen, würde mir aber eine Öffnung auch für andere kompetente Ansprechpartner wünschen, etwa für Stiftungen oder Vereine, die Gedenkstätten thematisieren und über entsprechendes pädagogisches Know-How verfügen.

Doch das sind, gemessen an der Zielstellung, Detailfragen. Und die Zielstellung lautet, dass Schülerinnen und Schüler auch im Jahr 2018 noch wissen, was Auschwitz-Birkenau war. Das Wissen darum und die Erinnerung an das, was geschehen ist, wach zu halten, dieses Ziel sollte nicht am Streit über Fahrtkostenzuschüsse scheitern.

Meine Fraktion wird dem Antrag zustimmen. Vielen Dank.

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