PM: Berufsorientierung an sächsischen Gymnasien ist eine Baustelle

 

Zais: Ein Handbuch als Unterstützung für die Praxis ist gut gemeint, gleicht aber die unzureichende Förderung nicht aus.

 Zur Pressekonferenz von Kultusminister Christian Piwarz (CDU) anlässlich der Veröffentlichung des Handbuchs „Berufliche Orientierung wirksam begleiten“ für die sächsischen Gymnasien erklärt Petra Zais, bildungs- und arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag:

„Die Berufsorientierung an sächsischen Gymnasien ist eine Baustelle. Im Vergleich zu anderen weiterführenden Schulen fließt hier kaum Geld. Ein Handbuch als Unterstützung für die Praxis ist gut gemeint, gleicht aber die unzureichende Förderung nicht aus.“

„Spätestens seit 2015 war bekannt, dass Gymnasien aus der Förderung des Europäischen Sozialfonds (ESF) herausfallen. Das hat die Antwort auf meine Kleine Anfrage zur Berufs- und Studienorientierung an Gymnasien gezeigt. Grund war eine Änderung der Förderkonzeption in der laufenden ESF-Förderperiode. Demnach waren und sind Gymnasiastinnen und Gymnasiasten nicht mehr Zielgruppe der Förderung. Das heißt, reine Projekte der Studienorientierung sowie Projekte zur Berufsorientierung an Gymnasien waren und sind nicht mehr förderfähig. Dennoch kann die Staatsregierung erst zum Schuljahr 2019/20 ansatzweise eine Kompensation in Aussicht stellen. Dank der neuen Bund-Länder-Initiative ‚Abschluss und Anschluss – Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss‘ können dann bis zu 50 Gymnasien, also knapp jedes dritte, eine Potenzialanalyse ab Klasse 7 bzw. Werkstatttage ab Klasse 8 anbieten. Doch das reicht nicht aus.“

„Für die Berufsorientierung stehen jedem der 164 Gymnasien im Schnitt nur rund 800 Euro pro Jahr zur Verfügung. Im aktuellen Doppelhaushalt sind im Titel ‚Arbeitsweltorientierung‘ jährlich hingegen rund 1,5 Millionen eingeplant. Für Ober- (350 Schulen) und Förderschulen (156 Schulen) kommen ESF-Kofinanzierung, Geld der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit sowie Bundesmittel hinzu, etwa für Praxisberater oder Berufseinstiegsbegleiter. Eine Vergleichssumme nennt das Kultusministerium hier nicht – wohl aus gutem Grund.“

„Natürlich gibt es an Ober- und Förderschulen großen Bedarf. Aber die Anschlussfähigkeit zur beruflichen Bildung ist auch an Gymnasien ein Thema – zumal immer mehr Schülerinnen und Schüler diese Schulart besuchen und die Unternehmen über Akademisierung, Azubi-Mangel und Ausbildungsabbrüche klagen.“

„Kultusminister Piwarz muss die Gymnasien bei der Berufs- und Studienorientierung stärker als bisher berücksichtigen. Das muss sich auch deutlich im nächsten Doppelhaushalt niederschlagen. Inwieweit das nun vorliegende Handbuch eine Hilfe ist, bleibt abzuwarten.“

>> Antwort von Kultusminister Christian Piwarz auf die Kleine Anfrage von Petra Zais (GRÜNE) „Berufs- und Studienorientierung an Gymnasien und Schulen in freier Trägerschaft“ (Drs 6/12525)

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