Petition Schulsport

 

Zais: Ablehnung der Petition „Für eine bewegte Schulzukunft unserer Kinder und Jugendlichen“ ist grundfalsch.

Redebeitrag der Abgeordneten Petra Zais zu der Petition 06/02184/4: „Für eine bewegte Schulzukunft unserer Kinder und Jugendlichen“, 30. Januar 2019, TOP 20

– Es gilt das gesprochene Wort –

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren,

auch diese Petition gehört aus der Sicht meiner Fraktion heute Abend auf die Tagesordnung. Dies begründet sich zum einen aus dem völlig berechtigtem Anliegen der Petition selbst und zum anderen aus dem geradezu arrogantem Umgang mit dieser Petition.

Kurz zum Inhalt:
Die Pläne zur Überarbeitung der Stundentafeln waren nicht gänzlich neu, als im Frühjahr 2018 die Medien darüber berichteten. Neu war jedoch, mit welcher Heftigkeit es gerade die persönlichkeitsbildenden ‚weichen‘ Fächer treffen sollte: Sport, Musik und Kunst.

Die Debatte führte zu wenigen Korrekturen und es gab das Versprechen, alle Fächergruppen in den Blick zu nehmen.

Im Juni 2018 wurde jedoch deutlich, dass beim Schulsport dennoch über Gebühr gekürzt werden wird.

sowohl an Grundschulen (Klassenstufe 4) als auch an Oberschulen (Klassenstufen 7, 8, 9 und 10) und Gymnasien (Klasse 7) wird künftig weniger Sport unterrichtet.
Diese Pläne wurden vom Kabinett beschlossen und werden zum Schuljahr 2019/2020 greifen.
So viel zum veralteten Satz im Petitionsbericht: >>Weitergehende Festlegungen [zur Überarbeitung der Stundentafel] sind bisher nicht getroffen worden.<<

Ich spare mir an dieser Stelle Ausführungen zur allgemeinen Bedeutungs des Sports. In Bezug auf den Schulsport aber möchte ich unterstreichen, was die PetentInnen formulieren: >>Nur Schulsport bewegt alle!<< Auch die angekündigte Erhöhung der Mittel für Ganztagsangebote wird diese Kürzungen nicht kompensieren können, ganz zu schweigen von den fehlenden infrastrukturellen Bedingungen. GTA-Sport ist immer freiwillig und kann daher nur begrenzt den Sportunterricht ersetzen.

Lange war die reguläre dritte Sportstunde in allen Schularten und Klassenstufen ein hart erkämpftes sächsisches Alleinstellungsmerkmal – und eine gute Sache. Diesen Vorteil aufzugeben ist und bleibt ein Fehler. Deshalb haben wir die Initiative des Sportlehrerverbandes begrüßt und unterstützt.

Mit beherzten, kreativen Aktionen ist es gelungen, innerhalb kurzer Zeit fast 30.000 Unterstützende zu gewinnen! Ich war bei der Petitionsübergabe anwesend und beeindruckt, was da auf die Beine gestellt wurde – und mit welchem Erfolg.

Gerade deshalb macht es mich fassungslos, wie mit dem Engagement und der Unterstützung so vieler Menschen umgegangen wird. Sportlehrkräfte berichteten mir im Gespräch, sie seien, so wörtlich, >>entsetzt<<.

Wenn Kultusminister Piwarz beschwichtigt, bei der Diskussion von Stundenkürzungen gehe es naturgemäß um Befindlichkeiten und daher emotional zu, dann verkennt er die Brisanz des Themas. Wenn die sportmotorische Ausbildung an den Schulen vernachlässigt wird, hat das langfristige Folgen mit enormen gesamtgesellschaftlichen Kosten – da müssten auch bei Krankenkassen, Versicherungen und der Wirtschaft sämtliche Alarmglocken schrillen!

Dass der Petitionsbericht veraltet ist (ein Zitat hatte ich bereits genannt), kommt erschwerend hinzu und zeugt nicht eben von Wertschätzung und Sorgfalt gegenüber dem Anliegen der zahlreichen Petentinnen und Petenten.

Ich sage es ganz deutlich: So kann man mit den Leuten in diesem Land nicht umgehen! Wir halten die Ablehnung der Petition für grundfalsch und haben deshalb eine abweichende Meinung zu Protokoll gegeben.

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