Gute Schule

 

Zais: Sie schauen zurück, nach links und nach rechts, aber bildungspolitisch schauen sie eben leider nicht nach vorn!

Redebausteine der Abgeordneten Petra Zais zur 2. Aktuellen Debatte der Fraktion DIE LINKE:

„Zukunft braucht gute Schule – jetzt erst recht“, 2. Juli, TOP 2

– Es gilt das gesprochene Wort –

Sehr geehrter Herr Präsident,liebe Kolleginnen und Kollegen,

unstrittig ist, dass sich in den Jahrzehnten des CDU-geführten Kultusministeriums ein Berg von Problemen aufgehäuft hat, dem nicht mehr mit kleineren Reparaturen beizukommen ist. Auch die schon narzisstisch anmutende Selbstbeweihräucherung und ihre Verweigerungshaltung immer dann, wenn es um Veränderungen im sächsischen Bildungssystem geht, verhindert seit Jahren zukunftsfähige Entwicklung. Sie schauen zurück, sie schauen nach links und nach rechts, aber bildungspolitisch schauen sie eben leider nicht nach vorn. Auch dafür haben sie es mehr als verdient, abgewählt zu werden.

Vor welchen Aufgaben stehen wir? Schulforscher Prof. Burow macht sieben Trendfelder aus: Digitalisierung, Personalisierung und neue Lehrerrolle, Vernetzung, Veränderung des Lehr-/Lernraums, Gesundheitsorientierung, Demokratisierung und Glücksorientierung.

Es geht darum, Lust am Lernen, Motivation und damit Leistungsbereitschaft zu schaffen und Glück als Bildungsziel an den Schulen zu verankern. In allen gesellschaftlichen Bereichen haben wir es mit rasanten Veränderungen zu tun. Da reicht es nicht, in der Schule an der einen oder anderen Stellschraube zu drehen, da muss sich grundsätzlich etwas ändern!

Schauen wir auf die Perspektiven einiger der Beteiligten an Bildung. An erster Stelle die Schülerinnen und Schüler: Der Landeschülerrat formulierte seine ‚vision.schule‘ beim gleichnamigen Kongress 2017 und in diesem Jahr so: >>demokratisch, praktisch, gut<<

Schülerinnen und Schüler wollen mehr Mitbestimmung und ein besseres Schulklima. Sie wollen eine Schule, die sich am Leben und nicht am Lehrplan orientiert, die Räume für Kreativität und Bewegung bietet und sie wollen eine Schule, die selbstverständlich ihren Platz in der digitalen Welt hat.

Eltern wollen, dass ihr Kind gesehen wird, dass es liebevoll angenommen und auf seinem Lern- und Lebensweg begleitet wird. Sie wollen, dass Schule nicht bloß eine Lernfabrik ist, in der alle zu einem festen Zeitpunkt das gleiche machen oder lernen sollen. Eltern wollen gute Lehrerkräfte für ihre Kinder, kleine Klassen und sichere und kurze Schulwege.

Und, sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen, Eltern wünschen sich in überwiegender Zahl die Option des längeren gemeinsamen Lernens, damit sich Bildungs- und damit eben auch Lebenswege nicht schon nach der 4. Klasse trennen.

Lehrerinnen und Lehrer erwarten zu Recht, dass die Lehramtsausbildung auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet, dass sie in der Schule ihren Job machen können, dass sie gut bezahlt und wertgeschätzt werden, und – das werde ich nicht müde zu sagen – sie erwarten eine familienfreundliche Personalpolitik des LaSuB.

Wenn die Kultusverwaltung nicht endlich begreift, dass mit Blick auf die Lebenssituation von Lehramtsanwärterinnen und -anwärter und Lehrerkräfte Ungleiches auch ungleich behandelt werden muss, werden wir weiter dringend benötigtes Personal verlieren oder gar nicht erst gewinnen können.

Schulträger bringen eine Perspektive ein, die vor allem mit dem Raum als dritten Pädagogen zu tun hat. Sie brauchen eine Verstetigung der Landes- und auch der Bundesfördermittel. Kurz: Sie brauchen Verbindlichkeit und Verlässlichkeit bei den Hilfen für den Bau, die Ausstattung und Betrieb der Schulen der Zukunft!

Die Vielzahl der Perspektive potenziert sich, wenn man fragt, welche Erwartungen die Gesellschaft an gute Schule in der Zukunft hat. Was erwartet eigentlich die Gesellschaft von guter Schule? Soll die Schule die Fachkräfte von morgen ausbilden? Mündige Bürgerinnen und Bürger? Den im humanistischen Sinne umfassend gebildeten Menschen?

Klar ist, dass die Anforderungen an Schule und Schulentwicklung vielfältig sind. Wir GRÜNE wünschen uns und diesem Hohen Haus, dass wieder Fragen der Schulentwicklung und Qualität diskutiert und entschieden werden.

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